Projekt ONE CHF: Wenn aus einem Franken ein Jahr Zukunft wird
SECOMP und die SANNI Foundation wollten zeigen, was gemeinsames Handeln im B2B-Umfeld bewegen kann. Der erste Zwischenstand von ONE CHF führt nach Yangon – in ein Haus, das besonders gefährdeten Kindern Schutz, Schulbildung, medizinische Betreuung und neue Zukunftsperspektiven gibt.
Gemeinsam für gesellschaftliche Verantwortung
Die Idee hinter ONE CHF begann mit einer einfachen Frage: Wie lässt sich das tägliche Geschäft eines Unternehmens mit konkreter sozialer Wirkung verbinden? SECOMP und die SANNI Foundation fanden ihre Antwort dort, wo Unternehmen täglich Entscheidungen treffen – bei der Beschaffung. Aus ausgewählten Produkten im SECOMP-Sortiment wurden Aktionsartikel, deren Verkauf einen Beitrag von einem Franken generiert, welchen die Stiftung verdoppelt.
Seit dem Start am 1. November 2025 wurden auf diesem Weg 30’643 anrechenbare Produkte verkauft. SECOMP hat somit 30’643.00 Franken zusammengetragen. Im Juli 2026 standen nach der Verdoppelung durch die SANNI Foundation somit rund 61’286.00 Franken für humanitäre Projekte zur Verfügung. Eine Entscheidung für die konkrete Verwendung dieses Geldes ist bereits gefallen.
Die aus zahlreichen Bestellungen generierte Summe entfaltet ihre Wirkung rund 8’000 Kilometer weiter östlich von der Schweiz, genauer in Hlaingthayar, einem der grössten Slumgebiete Myanmars am Rande von Yangon. Dort steht das Motherhouse, ein Projekt der SANNI Foundation für besonders gefährdete Kinder. Der Betrag aus den SECOMP-Verkäufen reicht aus, um den Betrieb des Motherhouse während eines ganzen Jahres vollständig zu sichern – und darüber hinaus weitere Unterstützung zu ermöglichen.
Das Motherhouse: Schutz, Fürsorge und Perspektiven
2016 finanzierte die SANNI Foundation den Bau des Motherhouse in Hlaingthayar, einem der grössten Slumgebiete Myanmars im Nordwesten von Yangon. Seither trägt sie die jährlichen Betriebskosten. Die administrative Leitung liegt beim Kinderschutzteam von Medical Action Myanmar, dem langjährigen Partner der Stiftung vor Ort.
Saubere, komfortable Schlafräume sowie ein gemeinsamer Ess- und Wohnbereich prägen das Haus. Im kleinen Garten wachsen Pflanzen und Blumen; hier spielen die Kinder nach der Schule und helfen bei der Pflege. Auch im Gebäude übernehmen sie altersgerechte Aufgaben und tragen dazu bei, ihr Zuhause sauber zu halten. Mit höchstens 16 Bewohnerinnen und Bewohnern bleibt die Gemeinschaft bewusst überschaubar. Jedes Kind soll persönliche Zuwendung erfahren und in einem vertrauten Umfeld aufwachsen. Zwei Vollzeit-Mütter begleiten den Alltag und werden zu engen, verlässlichen Bezugspersonen.
Zum Leben im Motherhouse gehören geregelte Mahlzeiten, saubere Kleidung und der Zugang zu Schulbildung. Bei Bedarf erhalten die Kinder private Nachhilfe. Sport- und Musikunterricht, Ausflüge sowie künstlerische und handwerkliche Tätigkeiten ergänzen das Angebot und eröffnen ihnen vielfältige Möglichkeiten, Interessen und Fähigkeiten zu entwickeln. Aufgenommen werden Kinder, die beide Eltern verloren haben, nur noch einen Elternteil besitzen oder deren Familien ihre Versorgung nicht gewährleisten können. Viele leben mit HIV und benötigen regelmässig Medikamente sowie ärztliche Kontrollen. Die nahe gelegene Lotus-Klinik stellt diese Betreuung sicher. Auch sie wurde von der SANNI Foundation erbaut und wird bis heute von ihr finanziert.
Wie viel Schutz, verlässliche Begleitung und Bildung im Leben eines Kindes bewirken können, zeigt die Geschichte von Aung Thu Phyo.
Der Wunsch, wieder zur Schule zu gehen
Erst acht Jahre alt war Aung Thu Phyo, als er 2020 seine Eltern verlor. Seine Mutter erlag einer HIV-bedingten Erkrankung. Für den Jungen brach damit innerhalb kurzer Zeit sein vertrautes Umfeld weg. Er kam als Waise in einem Kloster ausserhalb Yangons unter, wo er als Novizenmönch lebte. Bald folgte die Diagnose: Wie seine Mutter war auch Aung Thu Phyo HIV-positiv.
Behandlung der HIV-Infektion
2021 begann er mit einer antiretroviralen Therapie. Die Behandlung wirkte. Durch die regelmässige Einnahme der Medikamente sank seine Viruslast unter die Nachweisgrenze – eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Leben. Im Kloster fand er für einige Jahre einen geregelten Rahmen. Doch dann geriet dieses fragile Gleichgewicht ins Wanken.
Wichtige Strukturen fehlen
Nach einem Konflikt musste Aung Thu Phyo 2025 das Kloster verlassen. Seine Medikamente blieben zurück und die Möglichkeit, zur Schule zu gehen, war ihm verwehrt. Vorübergehend nahm ihn die Familie eines Freundes auf. Aus Angst, wegen seiner HIV-Infektion abgewiesen zu werden, sprach er dort mit niemandem über seine Erkrankung.
Fast zwei Monate vergingen ohne Medikamente und Kontrolltermine. Seine Immunwerte verschlechterten sich, die Viruslast stieg. Aus Tagen ohne festen Ablauf wurden Wochen, in denen der Junge zunehmend aus den Strukturen verschwand, die ihm Halt gegeben hatten.
Einsatz des Kinderschutzteams
Das Outreach- und Kinderschutzteam von Medical Action Myanmar wurde auf Aung Thu Phyo aufmerksam. Die Mitarbeitenden suchten ihn auf, hörten zu und kamen wieder. Sie sahen einen Jungen, der dringend medizinische Versorgung brauchte und ebenso ein Zuhause, Bildung und Menschen, auf die er sich verlassen konnte.
In einem Gespräch fragten sie ihn, was er sich am meisten wünsche. Seine Antwort umfasste zwei kurze Sätze: «Ich möchte wieder zur Schule gehen. Ich möchte meine Medikamente wieder nehmen.»
Im Juli 2025 öffnete sich für Aung Thu Phyo die Tür zum Motherhouse.
Ein Platz, an dem er bleiben kann
Mit seinem Einzug kehrte Stück für Stück Ordnung in sein Leben zurück. Er traf auf Erwachsene, die über seine Erkrankung Bescheid wussten und seine Behandlung begleiteten. Er fand Kinder, mit denen er den Alltag teilen konnte, und einen Ort, an dem seine Geschichte Raum erhielt.
Das Team von Medical Action Myanmar nahm die medizinische Betreuung wieder auf und passte seine Therapie an. Er erhielt psychosoziale Beratung und lernte, seine Medikamente selbstbewusst und zuverlässig einzunehmen. Heute liegt seine Viruslast erneut unter der Nachweisgrenze.
Neue Chancen durch Bildung
Auch sein Wunsch nach Bildung nahm Gestalt an. Aung Thu Phyo begann in einem nicht-formalen Bildungsprogramm. Seine Lehrperson erkannte rasch, wie aufmerksam er dem Unterricht folgte, und schlug eine Einstufungsprüfung vor. Er bestand den Test und besucht inzwischen die zweite Stufe des Programms. Damit kann er im kommenden Schuljahr voraussichtlich in die reguläre Mittelschule wechseln.
Zukunft durch Beziehungen und Behandlung
In seiner Freizeit liest er. Bei einem Jugendcamp lernte er neue Menschen kennen und entdeckte weitere Möglichkeiten für sich. Regelmässige Beratung hilft ihm weiterhin, seine Erfahrungen zu verarbeiten. Mit jedem Monat gewinnt er an Sicherheit, übernimmt mehr Verantwortung und knüpft tragfähige Beziehungen.
Laborwerte zeigen, dass seine Behandlung wirkt. Seine Entwicklung zeigt noch mehr: Aus einem Jungen, dessen Schulweg und medizinische Betreuung abgebrochen waren, wird ein Jugendlicher, der wieder lernt, Freundschaften schliesst und Zukunftspläne entwickelt.
30’643 Entscheidungen mit einem gemeinsamen Ergebnis
Die Geschichte von Aung Thu Phyo zeigt, weshalb ein sicherer Schlafplatz für Kinder, die vor grossen Herausforderungen stehen, erst der Anfang ist. Diese Kinder brauchen Erwachsene, die bleiben. Weiter sind medizinische Betreuung, Unterricht, geregelte Mahlzeiten und Strukturen die Voraussetzung, dass sie zu selbständigen und selbstwirksamen Erwachsenen heranreifen können.
Mit 61’286.00 Franken trägt das Projekt ONE CHF dazu bei, diese Strukturen über mehr als ein ganzes Jahr zu sichern. Der Erlös aus 30’643 verkauften Produkten und die gemeinsame Leistung von SECOMP, der SANNI Foundation sowie den beteiligten Kundinnen und Kunden erreichen auf direktem Weg Menschen, die Hilfe benötigen. Das Konzept funktioniert: ONE CHF lässt soziales Engagement in bestehende Geschäftsprozesse einfliessen und ermöglicht damit eine unkomplizierte Beteiligung für Unternehmen.
Für SECOMP und die SANNI Foundation ist der erste Zwischenstand deshalb zugleich ein Ausblick. Er zeigt, was im B2B-Umfeld möglich wird, wenn Unternehmen ihre tägliche Tätigkeit als Ausgangspunkt für gemeinsames Handeln verstehen.
ONE CHF geht weiter
Seit dem 20. Juli 2026 gehört eine neue Auswahl an Highrunnern, Flagship-Produkten und saisonalen Artikeln zur Aktion. Damit beginnt die nächste Etappe: Jede weitere Bestellung eines gekennzeichneten Produkts fügt dem bisher gesammelten Betrag einen Franken hinzu. Und genau dieser Franken kann in Yangon dazu beitragen, dass ein Kind seine Medikamente erhält, morgens zur Schule geht und abends an einen vertrauten Ort zurückkehrt.